
Der 22. Februar 1876 ist ein gewisser Meilenstein in der Münchner Trambahngeschichte: Eduard Otlet aus Brüssel bewirbt sich zum wiederholten Mal zum Bau einer Pferdebahn in München, – manchmal dauert es eben länger, auch damals schon. E.H. Senneke ist der Vertreter Otlets mit allen Vollmachten und Advokat Riegel beglaubigt das, denn Otlet selbst spricht kein Deutsch.
Im abgebildeten Dokument steht unter anderem auf 10 Seiten zu lesen:
„Hoher Magistrat!
Im Auftrage des Herrn Eduard Otlet in Brüssel erlaubt sich der unterfertigte Bevollmächtigte desselben in Bezug auf das neuerdings in München aufgenom̅enen Projekt der Errichtung einer Pferde-Eisenbahn hiemit als Bewerber um die Ertheilung einer Conceßion zur Anlage und zum Betriebe einer Pferde-Eisenbahn aufzutreten. Herr Eduard Otlet hat bereits im Jahre 1872 als Intereßent der Berliner Internationalen Actiengesellschaft und wieder 1875 als deren
Rechtsnachfolger ein dahin lautendes Gesuch bei hoher Stelle in Vorlage gebracht und gestattet sich hiemit, das selbe in förmlicher Weise zu erneuern.„
Neben anderen Details bemerkt Otlet in diesem Gesuch seine gewünschte Preis- und Fahrplangestaltung:
„Der Conceßionär ist berechtigt, eine I. und II. Claße einzurichten und die Bahnlinien in Sectionen von je 500 Meter Länge für die Tariferhebnung abzutheilen, wobei das minimum der Fahrtaxe einer einzelnen Station nicht unter 10₰ in II. Claße und unter 15 ₰ in I. Claße betragen darf. Weiters verpflichtet sich der Conceßionär „eine so starken Wagenpark zu beschaffen, daß wenigstens alle 10 Minuten von den Endpunkten ein Wagen abgeht; über die Isarbrücken hinaus bis Bahnhof Haidhausen und zurück ist der Conceßionär zur Zeit jedoch nur verpflichtet, zu den ankom̅enden und abgehenden Zügen Fahrten zu machen.“
Nun wartet man gespannt auf die Antwort aus dem Münchner Rathaus. Es gab schon Vorgespräche mit dem damaligen Bürgermeister Dr. Erhard und Otlet und seine Vertreter versuchten nun, eine 40-Jahre Konzession für Bau und Betrieb zu bekommen.
